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Wettbewerb ADDITIV, Simon Kettel und Franziska Kramer für Gewinner Architekten 2010
Parkhaus Oldenburg
Umnutzung zu einem Parkhaus für das evangelische Krankenhaus in Oldenburg
Mit dem Neubau der Theatergarage, den Parkhäusern der Heiligengeist-Höfe, des ECEs und nun des Evangelisches Krankenhauses wird das Stellplatzangebot für PKWs in der Oldenburger Innenstadt maßgeblich ausgeweitet. Mit über 1200 neuen Einstellplätzen werden die Kapazitäten um rund 40% gesteigert. Ist ein derartiger Ausbau des motorisierten Individualverkehrs zur Stärkung des Standortes Oldenburg in der Region unter ökonomischen Gesichtspunkten auch begrüßenswert, so muss die Fortschreibung der „autogerechten Stadt“ des 20.Jahrhunderts aus ökologischer Sicht heute kritisch hinterfragt werden. Die mit dem Ausbau des Stellplatzangebotes implizite Förderung des Automobils, des - unabhängig von seiner Antriebsart - Motors städtischer Zersiedelung, läuft nicht nur den Planungszielen der Stadt Oldenburg, welche einer weiteren Zersiedelung des Stadtgebietes und seiner Ränder entgegenzuwirken versucht, zuwider, sondern auch den Zielen des globalen Klimaschutzes. In Zeiten des Klimawandels müssen nachhaltige Planungskonzepte entwickelt werden, die nicht nur Antworten auf heutige Probleme formulieren, sondern auch und vor allen Dingen sich den Herausforderungen von übermorgen zu stellen vermögen.









Werden wir den Luxus motorisierten Individualverkehrs angesichts weltweit fortschreitender Umweltzerstörung und Ressourcenknappheit auch in zwei, drei Dekaden fortleben dürfen?
Oder werden neue Transportmittel die heutigen ersetzen und somit der Bedarf an Parkhausflächen nicht mehr gegeben sein? 






Um sowohl ökonomischen Ansprüchen der Gegenwart als auch ökologischen Herausforderungen der Zukunft entsprechen zu können, darf das Parkhaus lediglich als „vorübergehende“ Nutzung gedacht und geplant werden. Statt eines in seiner Form allein durch die gegenwärtige Funktion endgültig determinierten Gebäudes soll hier ein Bauwerk entstehen bzw. fortentwickelt werden, das sich durch bedarfsorientierte Veränderbarkeit auszeichnet. Durch die Fortschreibung des historischen Hofes und durch das Aufgreifen der Gebäudetiefe von 16m wird dies unter anderem garantiert. Das heute als Parkhaus zu nutzende Gebäude kann somit morgen als Hörsaalzentrum der angrenzenden Jade Hochschule oder als Instituts- bzw. Bürogebäude um- und weitergenutzt werden. Die in ihrer Form auf den ersten Blick von ihrer Funktion weitestgehend bestimmte Wendelrampe könnte später als Hochschul- oder Quartiersbibliothek eine Nachnutzung erfahren. Der bereits im Bestandgebäude Auguststr. 7 angelegte Gedanke der Konversion soll somit aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Dieser Wandelungsprozess von einem im 19. Jahrhundert errichteten Wagenhaus der Artilleriekaserne über eine Wagenhalle der Feuerwehr hin zu einer Parkgarage des Evangelischen Krankenhauses und vielleicht morgen einem Hörsaalzentrum muss am Bauwerk erfahr- und lesbar werden. Im Sinne einer Nachhaltigkeit, die sich nicht allein auf energetische Optimierung beschränkt, sondern auch die Sicherung kultureller und sozialer Werte berücksichtigt, soll mit dem Erhalt der Ost- und Nordfassade des alten Wagenhauses der Artilleriekaserne die historische Bedeutung des Militärs und somit der Garnisons- und Kasernenbauten für die Stadt Oldenburg dokumentiert werden. Die beim Umbau vorgenommenen Überformungen und Brüche, wie etwa die Toreinfahrten der Feuerwehr in der Fassade des Erdgeschosses, sollen nicht kaschiert respektive in einen Urzustand rückgebaut, sondern als Zeitschichten abgelagert und hierdurch das Gebäude am Ort verankert werden.