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Diplomarbeit Jens Johannisson Lehrstuhl für Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens Sommersemester 2009
Wasserkraftwerk Chlus
im Prättigau in der Schweiz
Die Chlus - eine Talenge im Prättigau - ist der Standort für das dritte und letzte in Kaskade betriebene Kraftwerk, das vom Davoser See gespeist wird. Das beeindruckende Bergpanorama im Rücken, stellt sich der oberirdische Teil des Speicherkraftwerks als dimensionslose, mit lokalen Holzschindeln verkleidete Halle dar, die im Ausdruck einer Scheune gleicht. Für vorbeifahrende Autos wird so ein vertrauter Eindruck erweckt, ohne den Versuch zu unternehmen, die Nutzung aus der Ferne ablesbar zu machen. Erst aus kurzer Distanz wird erkennbar, dass die Maschinenhalle, auf vier massiven, die Turbinen beherbergenden Betonstempelstehend, eine knapp neun Meter tiefe Ausgrabung quadratischen Grundrisses überspannt.
























Die von schroffen Betonwänden gefasste Ausgrabung ist über eine von der parallel zum Gebäude verlaufende Nebenstraße erreichbaren Treppe für jedermann betretbar und lässt den interessierten Besucher die Funktionsweise der Anlage erlebbar machen. Es ist möglich, den Weg des Wassers dank der freigelegten Druckrohre, der offenen Turbinenstempel und den dazugehörigen Wasserbecken zu verfolgen. Die Öffnung im Turbinenstempel erlaubt es, nur von einer Betonbrüstung getrennt, die Turbinenschaufel von unten zu bestaunen und die bei laufendem Betrieb niederprassenden Wassermassen wahrzunehmen. Ebenso kann nachvollzogen werden, welche Turbine gerade in Betrieb ist. Über eine jedem Stempel zugeordnete Treppe gelangt man bis an eine Stahltür, die die Schwelle zwischen frei begehbarem Außenraum und der nur den Mitarbeitern zugänglichen Maschinenhalle darstellt. Durch eine Öffnung hindurch sind die Turbinenregler und die Achse zwischen Turbine und Generator sichtbar.

















 
Die Mitarbeiter erreichen ihren Arbeitsplatz ebenfalls über die Stahltreppe. Die Verwaltung samt zugehöriger Nebenräume ist Teil der zur Straße gewandten Betonwand und durch eine raumhohe, über die komplette Seite verlaufende Verglasung, vom Außenraum getrennt. Der permanente Bezug zur Ausgrabung und den von den Mitarbeitern gesteuerten Elementen wird durch die gewählte Positionierung gestärkt. Zu Wartungszwecken der Maschinensätze kann die Halle über jeden der vier Turbinenstempel betreten werden. Für die Anlieferung von Ersatzteilen können an beiden Kopfseiten Tore geöffnet werden. Dominiert wird die Halle von den vier Generatoren und den dazugehörigen vier Transformatoren, die von einem auf Schienen fahrenden Portalkran bedient werden können. Die Halle selbst, die aus einer Rahmenkonstruktion besteht, ist weiß verkleidet und bildet als "Reinraum" einen Kontrast zur verwitterten Außenfassade. Belichtet wird der Innenraum über ein schmales, zur Bergseite gerichtetes Lichtband, das sich entlang des Firstes über die gesamte Länge erstreckt und zusammen mit den sich nach oben hin verjüngenden Seiten einen kathedralenähnlichen Eindruck erweckt.